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Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern.

Bauer, Joachim,  2002

Neuerscheinung 

(AAI)

Inhaltszusammenfassung von Herrn Prof. Bauer:
Das Buch beginnt mit der Beschreibung der faszinierenden Fähigkeit des Gehirns, subjektive zwischenmenschliche Erlebnisse in objektive biologische Signale zu verwandeln. Der Autor zeigt, daß wir durch unsere Gene nicht nur gesteuert werden, sondern daß umgekehrt Erlebnisse und Erfahrungen Auswirkungen auf die Aktivität unserer Gene haben. Sowohl gute Beziehungen als auch Angst und Streß regulieren Gene, mit unmittelbaren Folgen für die Produktion von Hormonen und zahlreichen Botenstoffen. Erlebnisse steuern u. a. auch solche Gene, die im Gehirn die Verschaltungen von Nervenzellen beeinflussen und Nervenzellen wachsen lassen oder zerstören können. Dies bedeutet, daß sich das Gehirn, abhängig von dem was wir erleben und gestalten, in einem permanenten Umbauprozess befindet. Vor diesem Hintergrund zeigt das Buch, welche z. T. alarmierenden Konsequenzen sich aus nicht gelungener zwischenmenschlicher Beziehungsgestaltung, aus persönlichen Gewalterfahrungen und aus dem Konsum der durch Medien dargebotenen Gewaltmodelle ergeben. Gewaltdarbietungen in Medien betreffend, berichtet das Buch von einer erst vor kurzem entdeckten neurobiologischen Sensation: Sogenannte "Spiegel-Nervenzellen" speichern miterlebte bzw. in den Medien gesehene Verhaltensweisen anderer Personen im eigenen Gehirn so ab, daß daraus eigene Handlungsprogramme entstehen. Was Kinder sehen, hat also neurobiologische Folgen! Aus zahlreichen spannend und verständlich dargestellten Forschungsergebnissen leitet der Autor völlig neue Sichtweisen auf verschiedene Erkrankungen ab: Dies gilt vor allem für die Depression, durch die sich, wie neuere Studien zeigen, z. B. das Herzinfarktrisiko um ein mehrfaches erhöht. Besonders informativ sind die Kapitel zum Burnout-Syndrom (mit einem Extrakapitel über die Misere der Schule und der Lehrer) sowie über die Entstehungsgeschichte chronischer Schmerzerkrankungen und der Fibromyalgie. Betroffen machen die Ausführungen des Buches zu den Trauma-Folgekrankheiten, zu denen, wie gezeigt wird, auch die zunehmenden Borderline-Erkrankungen junger Menschen zählen (14% der Mädchen und 6-7% der Jungen werden in Deutschland sexuell mißbraucht). An eine hochaktuelle, mit unerwarteten neuen Argumenten gespickte Psychopharmaka-Kritik schließt sich eine Darstellung neuerer Forschungsergebnisse an, die zeigen, daß Psychotherapie (verstanden als heilende zwischenmenschliche Beziehungserfahrung) nicht nur seelische Effekte, sondern nachgewiesener Maßen auch nachhaltige positive Auswirkungen auf neurobiologische Strukturen hat.


06.01.04

  Kurzbeschreibung (© 1998 - 2003 Amazon.com, Inc. und Tochtergesellschaften) Sind es nur die Gene, die unser Wesen unveränderbar bestimmen? Welche Rolle spielen Erfahrungen und Erlebnisse bei der Steuerung unserer Lebensprozesse? Diese Frage bewegt nicht nur seit Jahrhunderten Philosophen, Soziologen und Psychologen - das Wechselspiel zwischen Erbanlagen und Lebensumständen ist auch eines der großen Forschungsfelder der modernen Medizin und Neurowissenschaften. Dieses Buch zeigt, wie Beziehungenserfahrungen und Lebenstile ihren "Fingerabdruck" in den biologischen und genetischen Strukturen unseres Körpers hinterlassen: Umweltreize bewirken ständige Veränderungen in den Feinstrukturen unseres Nervensystems und regulieren die Aktivität der Gene, seelischer Streß beeinflußt die Entwicklung des Gehirns; traumatische Erfahrungen wie erlebte oder auch miterlebte Gewalt können als genetischer Fingerabdruck gespeichert werden und noch Jahre später als physiologische oder psychosomatische Krankheiten wirksam werden - mit entsprechenden Auswirkungen und Chancen für Diagnostik und Psychotherapie. Rezension Jochen Wagner (AAI) Einen weiten Bogen spannt das Buch von Joachim Bauer, Oberarzt für Psychosomatik und Psychotherapie. Selbst jahrelang in der neurologischen Forschung tätig, führt uns Prof. Bauer in die Grundlagen der Zellbiologie ein, um dann nahtlos eine Brücke zu den physischen Grundlagen unseres bewussten und unbewussten Daseins zu schlagen. Exemplarisch vertieft der Internist und Psychiater Bauer anhand von Stress, Depression und Traumata die Zusammenhänge zwischen Genaktivität, dem Zustandekommen und Verfestigen von Nervenzellstrukturen bis hin zum messbaren Zusammenwirken einzelner Hirnbereiche, die für spezielle psychische Phänomene verantwortlich sind.
Buchbesprechung im AlzheimerForum Rezension Mechthild Bluhm (AAI) Liebe beflügelt die Gene
Nicht im Text der Gene, sondern in der Regulation ihrer Aktivität liegt das Geheimnis: Joachim Bauer zeigt, wie das funktioniert
Buchbesprechung im AlzheimerForum Rezension (AAI) Rundbrief Nr. 1 April 2003 der AlzGes BaWü
Gute Beziehungen aktivieren gute Gene Der Freiburger Internist, Psychiater und Psychotherapeut Professor Joachim Bauer hat ein Buch veröffentlicht, welches sich mit dem Zusammenhang von zwischenmenschlichen Beziehungen, seelischem Stress und seelisch-körperlicher Gesundheit befasst (Titel: "Das Gedächtnis des Körpers"). In der Deutschen Alzheimer Gesellschaft ist Joachim Bauer seit Anfang der 90er Jahre aufgrund seiner Forschungsarbeiten über die Alzheimer-Krankheit bekannt. Seit seinem im Jahre 2000 vollzogenen Wechsel an die Abteilung Psychosomatische Medizin der Uniklinik Freiburg hat sich Bauer schwerpunktmäßig mit seelischen Gesundheitsstörungen befasst, insbesondere mit Depressionskrankheiten, chronischen Schmerzerkrankungen, Trauma-Folgekrankheiten und dem Burnout-Syndrom (unter besonderer Berücksichtigung von pflegenden Angehörigen). In seinem Buch zeigt Bauer, wie zwischenmenschliche Beziehungen im Körper eine Art biologischen Fingerabdruck hinterlassen. Gestützt auf neueste neurobiologische Forschungsergebnisse, wird in gut verständlicher Weise dargestellt wie das Gehirn seelische Erlebnisse in biologische Signale verwandelt. Jede Erfahrung, jedes Erlebnis und jedes Gefühl führt dazu, dass im Gehirn bestimmte Botenstoffe freigesetzt werden, die dann ihrerseits eine Reihe von körperlichen Folgereaktionen in Gang setzen. Auch Gene können aufgrund dessen angeschaltet oder abgeschaltet werden. So zeigen neurobiologische Studien, dass anregende Umgebungsbedingungen Nervenwachstums-Gene aktivieren. Andererseits werden durch Überforderung, Angst und Stress Gene angeschaltet, die dem Nervensystem Schaden zufügen. Etwas verkürzt lässt sich die Botschaft des Buches in etwa so zusammenfassen: Gute zwischenmenschliche Beziehungen aktivieren "gute" Gene. Angst, Überforderung, Trauma und Gewalterfahrungen aktivieren "schlechte" Gene, welche dem Gehirn Schaden zufügen. "Das Gedächtnis des Körpers" ist ein für jeden Laien gut verständlich geschriebenes, sehr interessantes Buch.

Letzte Änderung am  06.01.2004