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Erinnerungen pflegen.

Trilling, Angelika, Errollyn Bruce u.a.,  2001

Herausgeber 

(Vincentz, Hannover)

Unterstützung und Entlastung für Pflegende und Menschen mit Demenz.
Wer dementiell erkrankte Menschen betreut, muss besondere Wege gehen, um die zwischenmenschliche Beziehung positiv zu gestalten. Der Band Erinnerungen pflegen unterstützt hier Pflegeprofis wie pflegende Angehörige, zeigt, wie durch gemeinsamen Rückblick Gespräche und Aktivitäten entstehen. Ziel ist es, die Lebensfreude der Erkrankten zu steigern, verbliebene Fähigkeiten zu verbessern, soziale Kontakte zu fördern. Für Menschen, die an Demenz leiden, sind weit zurückliegende Erinnerungen oft die einzige Verbindung zur eigenen Identität. Neben Hintergrundinformationen zum Krankheitsbild beeindruckt deshalb besonders die so umfangreiche wie phantasievolle Themensammlung für die Gruppenarbeit. Von "Zeit zum Schlafengehen" aus Kindertagen bis zu "Der erste Lohn" aus der Arbeitswelt. Mit Tipps und Hinweisen für den Einsatz in Gruppensitzungen wie im Pflege- oder Familienalltag. Die Praxishilfe für ein zufriedeneres Miteinander, entstanden aus dem europaweit arbeitenden Projekt der Erinnerungstreffen für dementiell Erkrankte und ihre Angehörigen. Hervorragend in stationären Einrichtungen, Selbsthilfegruppen und Familien einzusetzen.


12.01.04

  Rezension Prof.Dr. Almuth Künkel (AAI) Entstehungshintergrund und Überblick Das Buch ist in der Reihe "Demenz" im Vincentz-Verlag erschienen. Vier engagierte Frauen, eine Deutsche und drei Engländerinnen, sind die Herausgeberinnen. Sie sind in unterschiedlichen Feldern der Altenarbeit in ihren Heimatländern tätig, insbesondere in der Planung und Entwicklung von Projekten für demente alte Menschen in Familien und Institutionen. Das Buch ist denn auch das Ergebnis eines solchen Projektes, das 1998 in zehn europäischen Ländern gleichzeitig durchgeführt wurde. Es gibt in sechs Kapiteln eine Einführung in die theoretischen Grundlagen der Arbeit mit Dementen, in Materialien und Methoden der Erinnerungspflege, beschreibt die Planung und Durchführung solcher Maßnahmen und endet mit Anregungen zur kreativen Weiterentwicklung der Methode. Zielgruppen und Grundidee Erinnerungspflege richtet sich an "Menschen, die etwas Besonderes in das Leben von dementiell Erkrankten und ihren Familien tragen" wollen (S. 8). Wie läßt sich dieser Anspruch einlösen angesichts der oft so belastenden und überwiegend von Abbau und Verlust gekennzeichneten Betreuung Demenzkranker? Durch Erinnern an gemeinsam verbrachte Jahre und Erlebnisse, durch Anknüpfen an zurückliegende aktive, freudvolle Phasen des Lebens, durch Wiederaufbau eines Teiles der verloren gegangenen Identität über Erinnerung. Erinnerungspflege als Angebote zu Reisen in die Vergangenheit In diesem Buch werden vielfältigen Ergebnisse und Anregungen aus den damaligen Gruppenangeboten für Demenzkranke und ihre Angehörigen wiedergegeben. Sie sollen zur Nachahmung anregen, gemeinsam mit den alten Menschen "nach ... Erinnerungsschätzen zu suchen" (S. 13), "vergnügliche Aktivitäten" (S. 9) miteinander zu entwickeln und Sozial- und Kontaktverhalten der alten Menschen zu aktivieren. Das gelingt, indem man sich miteinander auf die Reise in die Vergangenheit zu begeben, an die die alten Menschen oft noch lebhafte und differenzierte Erinnerungen haben, auch wenn sie sich nicht immer verbal artikulieren lassen. Durch den Einsatz von Melodien, Bilder und Bewegungen, durch Theaterspiel, Malen und Ausflüge werden diese Erinnerungen wachgerufen. Den Angehörigen kommt dabei die Rolle von Lotsen zu, die den Weg in die verschollenen Gefilde weisen können. Die Erinnerungspflege versteht sich als "positive Demenzpflege" und verwirklicht damit einen Aspekt des Empowerment-Ansatzes, indem sie auf Fähigkeiten und Ressourcen der alten Menschen aufbaut und sie zu stärken trachtet. Mit vielen anschaulichen Fallbeispielen und Fotos wird erläutert, wie sehr demente Menschen auf die "Achtung, Unterstützung und Fürsorge" (S. 23) ihrer Angehörigen angewiesen sind und wie diese Gefühle durch die Erinnerung an frühe Bindungserfahrungen und gemeinsam geteilte Erlebnisse wieder geweckt werden können. Die LeserInnen werden aufgeklärt über die Bedürfnisse und Besonderheiten dementer Menschen und erhalten ausführliche Hinweise zum verbalen wie körpersprachlichen Umgang mit ihnen. Auch die eingesetzten Materialien und Vorgehensweisen werden so genau beschrieben, dass auch weniger geübte GruppenleiterInnen sich zutrauen können, selbst Erinnerungsgruppen anzuleiten. Fazit Ein praxisnahes, liebevolles, emotional anrührendes Buch, das ich mir in jeder Einrichtung, in der demente alte Menschen und ihre Angehörigen betreut werden, in den Ausbildungsstätten für AltenpflegerInnen, im Gepäck des Sozialpädagogischen und ambulanten Pflegedienstes und im Bücherschrank jeder Familie wünsche, in der ein dementer alter Mensch lebt. Rezension Marlis Föhr (AAI) Das vorliegende Buch ist sehr praxisorientiert und bietet eine Vielzahl von Anregungen im Umgang mit demenziell Erkrankten mit dem Ziel, bei Angehörigen und auch Betroffenen die Möglichkeit positiver Lebensgestaltung zu entdecken und auszuschöpfen. Gerade die frühen Erinnerungen bilden eine Verbindung von der Kindheit zur Gegenwart und sind für Demenzkranke oft der einzige Hinweis auf ihre Identität. Das Buch ist das Ergebnis eines europäischen Experiments, bei dem es den Autoren nicht um die medizinisch-pflegerische Seite der Demenz geht, sondern um den verstehenden Zugang zu den Erkrankten und den Menschen, die sie pflegen. Zahlreiche Beispiele für Erinnerungsaktivitäten machen dieses Buch äußerst nützlich für den Umgang mit demenziell Erkrankten.

Letzte Änderung am  12.01.2004