EURO 16,90 

Richtig helfen bei Demenz

Bell, Virginia und Troxel, David

Ein Ratgeber für Angehörige und Pflegende

In diesem Buch geht es weder um eine wissenschaftliche Definition der Demenzerkrankung noch um rein pflegerisch-therapeutische Anweisungen. Thema ist vielmehr das psychosozial orientierte „Best-Friends-Modell“. Hierbei werden in erster Linie zwischenmenschliche, kommunikative und interaktionelle Aspekte angesprochen, die im Miteinander positive Auswirkungen haben können.

Der I. Teil des Buches beschäftigt sich auf 28 Seiten mit dem Thema Demenz, insbes. Alzheimer-Demenz. Beeindruckend hierbei der empathische Verstehenszugang in die Erlebenswelt Betroffener sowie der ressourcenorientierte Ansatz.

Teil II stellt das Best-Friends-Modell vor. Hierzu zählen der Einsatz für die Grundrechte des an Demenz erkrankten Menschen, die Kunst der Freundschaft, Biographie-Wissen als Basis der Kommunikation sowie „geschickte Pflege“.

Im dritten Teil werden Tipps zum grundsätzlichen Einsatz des Best-Friends-Modell in der Kommunikation und in der Aktivierung des Menschen mit Demenz gegeben. Zusätzlich finden sich hier Schilderungen über den Einsatz dieser Grundhaltung in der häuslichen Pflege, in Tagesstätten und in Pflegeheimen.

In Teil IV folgen Tipps, wie der Pflegende sich selber ein guter Freund sein kann.

Das Buch schließt mit Literaturempfehlungen und einer nach Postleitzahlen geordneten Liste von Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen.

Alle Kapitel dieses Buches werden übersichtlich dargestellt und durch Fallbeispiele und praktische Anweisungen zur Umsetzung des Best-Friends-Modells ergänzt.

Das vorgestellte „Best-Friends-Modell“ hat als Basis eine positive, optimistische Grundhaltung. In diesem „Pflegemodell“ finden sich sehr viele Anteile der personenzentrierten Gesprächsführung wieder. Hinzu kommen noch Anteile aus der Biographiearbeit, Refraiming aus der Systemischen Familientherapie sowie die aus der Heilpädagogik bekannte Verstehensdiagnostik. Alles fügt sich zusammen in diesem „Best-Friends-Modell“ mit dem Ziel, dem an Demenz erkrankten Menschen und sich selber ein guter Freund zu sein.

Der Name dieses Konzeptes scheint mir nicht ganz optimal, da sich die meisten Menschen unter Freundschaft eine andere Form der gegenseitigen Kommunikation, Interaktion und Verantwortung vorstellen, als es im Verhältnis zwischen Pflegenden und an Alzheimer erkrankten Menschen (er-)lebbar ist. Vielmehr liegt die Verantwortung für dieses „Beste-Freunde-Modell“ recht einseitig bei dem Pflegenden. Gerade beim Betrachten der Liste, was ein guter Freund alles zu sein hat (S. 53 ff), fehlt nur noch als letzte Zeile: „Ein guter Freund ist ein Übermensch.“

Obwohl Demenz ein Überbegriff für ca. 55 Erkrankungen ist, wird in erster Linie auf die Alzheimer-Erkrankung (2/3 aller Demenzen werden durch Alzheimer hervorgerufen) bezug genommen. Auch wenn daher der Titel: „Richtig helfen bei Demenz“ eher „Richtig helfen bei Alzheimer“ hätte heißen müssen, so lassen sich sicherlich für verschiedenste sich ähnlich äußernde Demenzen wertvolle Tipps sowohl für Angehörige wie professionell Pflegende finden, denn letztlich geht es um den verstehenden Zugang und die positive, wertschätzende empathische Grundhaltung.

Die Alzheimer-Krankheit ist zur Zeit noch nicht heilbar. Es bleibt also eine enorme Verantwortung der Angehörigen und Pflegenden für den Erkrankten. Warum also nicht – im Sinne des Best-Friends-Modells – den Versuch starten mit einer positiven Grundhaltung Hoffnung aufzubauen, schwierigen Verhaltensweisen vorzubeugen und möglichst oft das Leben aller zu erleichtern?

Rezensent: D. Wolf-Stiegemeyer


14.07.04

 

Letzte Änderung am  14.07.2004