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Bericht über unseren Aufenthalt im Memory – Demenz Zentrum Schaufling

im Jan./Feb. 1999 sowie im Nov./Dez. 2001

 

Bericht von Irene Ilsenstein (damals 47 Jahre, mit erkrankten Ehemann, damals 58Jahre) redaktionell überarbeitet von Claudia C.

Im Jahr 1998 sah ich im Fernsehen einen Bericht über eine Reha Möglichkeit für Demenz Kranke. Über den Sender erhielt ich die Anschrift und kam so zu Informationsmaterial über die Klinik im Bayerischen Wald. Mein Antrag wurde von der Krankenkasse genehmigt und so traten wir unsere erste  Reha im Januar 1999 an.

Die Klinik befindet sich auf dem Hausstein direkt neben dem Berg Russel mitten in einem herrlichen Wald mit  Blick in den Lallinger Winkel. Ein täglicher Bustransfer nach Deggendorf ist selbstverständlich. Die Wanderwege rings um die Klinik, in und außerhalb des Waldes, sind sehr schön angelegt und ausgeschildert. An den Wochenenden kann man sich zu Ausflügen nach Regensburg, Passau, sowie nach Österreich und die Tschechei, einschließlich Reiseleitung, anmelden.

Die Memory Demenz Abteilung befindet sich in einem separaten Stockwerk der Neurologischen Klinik, die insgesamt aus drei Gebäuden besteht die miteinander verbunden sind. Es sind Aufzüge vorhanden, so dass ein Aufenthalt auch mit Patienten die das Treppensteigen nicht mehr problemlos beherrschen möglich ist. Durch die integrierte orthopädische Abteilung fanden sich für mich interessante Behandlungsmöglichkeiten, durch von mir mitgebrachte Rezepte meines Hausarztes. Die Anwendungen konnte ich problemlos nutzen, da mein Mann tagsüber in seine Therapien eingebunden war. Des weiteren sind in diesem Haus auch Patienten mit Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Nervenlähmungen usw. untergebracht, eben alles was mit Neurologie zu tun hat.

Innerhalb der Demenzgruppe waren die Angehörigen zum großen Teil in das Programm miteingebunden. Verschiedene Therapien sowie gemeinsame Ausflüge standen auf dem Programm.

Am Tag unserer Ankunft erhielten wir nach der Begrüßung gleich einen Plan für den nächsten Tag. Eine Gesprächsrunde mit allen Therapeuten und allen, die in die Behandlung mit einbezogen sind, findet gleich am darauffolgenden Tag statt.

Die Erkrankten konnten das Frühstück in der Ergotherapieküche zusammen mit den Therapeuten einnehmen. Beim gegenseitigen Kennen lernen am ersten Tag, es fand nachmittags eine Kaffeestunde statt, war mein Mann ständig mit dem Zucker beschäftigt. Dies machte er auch zu Hause so. Er gab immer wieder 2 Löffel Zucker in die Tasse bis kein Kaffee mehr darin war, sondern nur noch Zucker. Herr Dr. Ahn, der anwesend war,  bemerkte meinen vergeblichen Kampf um die Zuckerdose. Auch ein verstecken half nichts, mein Mann verlangte immer wieder nach der Dose. So kamen wir überein, dass ich meine Mahlzeiten während unseres Aufenthaltes im Speisesaal der Klinik einnahm, so dass ich auch einmal in Ruhe essen konnte.  Die anderen Angehörigen schlossen sich mir an. Das tat uns sagenhaft gut, hatten wir so doch ausgiebig Zeit uns zu unterhalten und Erfahrungen auszutauschen. Das Mittagessen haben wir ebenfalls getrennt von unseren Kranken eingenommen, auch hier wurden sie unter der Obhut der Therapeuten bestens versorgt.

Zum Abendessen gingen wir gemeinsam aber auch dies ist getrennt möglich.

Ich war diejenige, die die längste Zeit mit dem Demenzproblem zu tun hatte. Zu diesem Zeitpunkt waren es bereits fast 10 Jahre.  Ein lebhafter Erfahrungsaustausch war die Folge. Mein Mann hat sich ziemlich schnell eingewöhnt und sich auch alleine zurechtgefunden, denn unsere Zimmernummer war zufällig mit unserer Telefonnummer von zu Hause identisch. Betreut wurden wir vom Leiter der Memory Demenz Abteilung Diplom Psychologe Dr. Stefan Ahn, der auch die Gruppen- und Einzelgespräche durchführte. Ärztlich wurden wir vom Chefarzt Dr. Frommelt und seinem Ärzteteam sehr gut versorgt.

Eine Bastelstube, in der man auch seine Freizeit verbringen kann, hatte es mir besonders angetan. Ich habe dort das Seidenmalen erlernt und verfeinert. Auch meinen Mann habe ich manchmal abends mitgenommen wenn malen auf dem Programm stand.

An einem Tag hatte sich der Psychologe etwas ganz besonderes ausgedacht. Gegen 13 Uhr ging es zu einer gemeinsamen Kutschfahrt im Schnee (es war ja Ende Januar) durch eine herrliche Winterlandschaft. Das war ein einmaliges Erlebnis für uns. Unterwegs hielt der Kutscher vor seinem Bauernhof und seine Frau kam mit einem Tablett Bärwurz, der für meinen Geschmack jedoch etwas gewöhnungsbedürftig ist. Unsere Kranken haben die Kutschfahrt sichtlich genossen.

Die ersten Tage habe ich meinen Mann zu den verschiedenen Therapien begleitet, bis die Therapeuten sich mit seinen Eigenheiten vertraut gemacht hatten. Der Versuch ihm das Bogenschiessen beizubringen, endete mit einer großen Überraschung. Mein Mann hörte den Erklärungen der Therapeutin nicht wirklich zu, man musste ihm da nämlich nichts erklären. Er nahm einfach den Bogen, hielt ihn fachgerecht und alle drei Schüsse trafen auf Anhieb das Ziel: 8 Jahre Bundeswehr (goldene Schützenschnur), das verlernt man nicht so schnell. Bogenschiessen gehörte von nun an in sein Programm. Des weiteren machte er Wassergymnastik, bekam Massagen, ging zum Logopäden, töpferte zusammen mit den anderen Demenzpatienten in der Werkstatt und flocht Körbe. Er war bei allen Aktivitäten meist der schnellste und äußerst korrekt, da machte er sogar mir noch was vor. Den größten Spaß schien er jedoch beim malen zu haben. In seinem früheren Beruf war er mit Leib und Seele Malermeister gewesen, so dass er sich auch immer noch hervorragend mit der Farbenlehre auskannte. Mit Seide als Maluntergrund kam er jedoch nicht mehr zurecht, er konnte nicht verstehen warum die Farbe ständig verlief. So widmete er sich mehr dem Anfertigen von Hinterglasbildern und Kreidezeichnungen sowie dem ausmalen von Mandelas.  Seidentücher in Salztechnik hat er mir als Geschenk aber doch noch gemacht.

Nach dem die Therapeutin gemerkt hatte, das er gerne schrieb, durfte er jeden Tag für alle Demenzpatienten einen Tagesablauf anfertigen, so dass wir Angehörigen immer informiert waren, was sie den ganzen Tag gemacht hatten. Zu den einzelnen Therapien wurden sie vom Personal begleitet, so dass die Freizeit der Angehörigen doch sehr groß war. Die Aufnahme der Angehörigen in den Räumen der Klinik zusammen mit den Erkrankten oder auch in einem eigenen Zimmer ist selbstverständlich. Je nach Erfordernissen werden sie im täglichen Umgang mit den Erkrankten (waschen, anziehen etc.) während des Aufenthaltes (24Std) vom Klinikpersonal unterstützt. Die Mahlzeiten können auch gemeinsam mit den Erkrankten eingenommen werden, wenn dies gewünscht wird.

Wir freundeten uns mit 3 weiteren Paaren an und verbrachten einen großen Teil der Freizeit gemeinsam. Unsere erkrankten Partner waren alle noch relativ jung und dementsprechend fit. So gingen wir z.B. begleitet von zwei Damen der Klinik und anderen Kurgästen des Hauses zum Kegeln, machten Fackelwanderungen und schwangen das Tanzbein. Es fanden jede Woche Veranstaltungen statt. Vor dem Haus mit einem öffentlichen Bus oder mit dem vom Haus organisierten rollstuhlgerechten Ausflugsbus fuhren wir in die landschaftlich wunderschöne Umgebung. Abends und am Wochenende stand uns das im Hause befindliche Schwimmbad kostenlos zur Verfügung.  Dort befinden sich ebenfalls eine Sauna, Fitnessräume, ein Supermarkt, ein Frisör und ein sehr schönes Cafe. Es werden Vorträge über verschiedene Themen gehalten und es findet eine Ernährungsberatung statt. Man kann frei wählen, woran man teilnehmen möchte und woran nicht. Des Weiteren gibt es eine hauseigene Kapelle mit einem katholischen sowie einem evangelischen Gottesdienst pro Woche.


Ich bin sehr froh diese Klinik für uns gefunden zu haben. Die Gruppengespräche wurden von Frau Braun u. Dr. Ahn durchgeführt. Die Einzelgespräche vom Dipl. Psy. Dr. Ahn. Der Austausch mit anderen Betroffenen, mit Ärzten und Therapeuten haben mir sehr gut getan. Als für mich am wertvollsten empfand ich das „über die Schulter der Profis sehen“. Wie gehen sie mit den Kranken um? Was kann ich für mich daheim übernehmen?

Meinem Mann hat es für sein Selbstwertgefühl sehr viel gebracht, er war wieder ausgeglichener und etwas wacher. Er schien sich nicht mehr so sehr in seiner „Unfähigkeit“ abzukapseln sondern erkannte seine verbliebenen Möglichkeiten und nutzte sie mit meiner Hilfe.

Dort wurde das erste Mal ein Alzheimer Medikament (Aricept®) verordnet. Ich bin überzeugt dass es uns fast 2 Jahre Stillstand sowie im weiteren einen langsameren Verlauf bescherte.

Bei unserem zweiten Aufenthalt im Nov./Dez. 2000 nutzte ich ein weiteres Angebot dieses Hauses. Ich wurde als Patientin (Psychosomatik) und pflegende Angehörige aufgenommen, mein Mann war dort zur Verhinderungspflege und wurde in der Demenzgruppe betreut. Einige weitere zum Teil privat bezahlte Aufenthalte für ein/zwei Wochen habe ich seitdem ebenfalls genossen. Den Aufenthalt meines Mannes rechnete ich jeweils über die Verhinderungspflege ab.

Irene I., September 2003


Die Memory – Demenz Klinik Schaufling gehört zur Gruppe der Asklepios Kliniken (www.asklepios.com) mit 82 Einrichtungen an verschiedenen Standorten in Deutschland und den USA. In Schaufling ist eine Abteilung integriert, die sich besonders auf Demenz Erkrankungen (z.B. Alzheimer) spezialisiert hat.


Asklepios Klinik Schaufling

Hausstein 2
94571 Schaufling
Telefon: 09904 / 77-0
Telefax: 09904 / 7299
eMail: schaufling@asklepios.com
Internet: http://www.asklepios.com/Schaufling/

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Memory und Demenz Zentrum
Vorstellung der Klinik